Nota vorab: Den vollständigen, aber reichlich bebilderten Artikel können Sie [hier] lesen.

Der Verstärker

Prinzipiell fungiert der (Voll-) Verstärker in einer Audio-Anlage zum einen als Schaltzentrale, denn hier laufen in der Regel alle Drähte zusammen. Und zum anderen erzeugt der Verstärker die Kraft, die benötigt wird, um passive Lautsprecher anzutreiben. So weit, so einfach.

Was soll man zu diesem Baustein einer Hifi-Anlage noch erzählen? Ist hier nicht schon alles gesagt worden, außer dass es sie in allen Preisklassen gibt?

Mitnichten! Denn es gibt eine Vielfalt wie nie zuvor. Aufzuzählen sind also

  • Transistor-Verstärker, Röhren-Verstärker und Hybrid-Verstärker, bei denen der Vorverstärker mit Röhren bestückt ist, die Endstufe aber mit Transistoren arbeitet
  • Vollverstärker oder getrennte Vorverstärker und Endverstärker
  • Vollverstärker mit gleich vier Endstufen für Bi-Amping
  • innerhalb der Transistor-Fraktion unterschiedliche Schaltungskonzepte wie Class A-Verstärker, Class A/B-Verstärker, Class B-Verstärker, Class D-Verstärker und auch echte Digital-Verstärker, Class G-Verstärker…
  • inzwischen auch bezahlbare Röhrenverstärker, die zwar nostalgisch wirken, aber dennoch die Seele der Musik transportieren
  • dank stets höher werdendem Wirkungsgrad immer kleinere Verstärker, die entsprechend keine oder nur noch sehr kleine Kühlkörper benötigen
  • Verstärker mit integriertem Phono-Vorverstärker, mit integriertem Streaming Client, mit integriertem Server und Streaming Client, mit integriertem Ripper, Server und Streamer oder
  • modular zu bestückende Verstärker für optional zu nutzende Funktionen wie Phono, Streaming oder Nutzung von Video-Inhalten mit einem HDMI-Board
  • ständig Weiterentwicklungen und Integration bestehender Konzepte und somit Kombinationen mit anderen Funktionen, die früher jeweils eine eigene Einheit erforderten, inklusive der Verkabelung und unterschiedlicher Bedienkonzepte. Hier sei als Stichwort für zukünftige Entwicklungen die Begriffe Multiroom und Vernetzung genannt
  • AV-Verstärker, meist AV-Receiver fürs Heimkino sowie
  • besondere Spezialverstärker wie separate Phono-Vorverstärker und Kopfhörerverstärker et cetera, die aber an anderer Stelle beschrieben werden
  • es gibt…

Bei Ihrem Local Hifi-Dealer FLSV in Bamberg werden Hifi- und High End-Verstärker folgender Hersteller angeboten:

Yamaha, Arcam, NAD, Vincent, Audiolab, Exposure, Pro-Ject Box Design, Cayin, CocktailAudio und als Abrundung nach oben Audio Analogue. Dass alle diese Hersteller auch andere Geräte als Ergänzung ihrer Verstärker anbieten, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Eine Auflistung der vorführbereiten Geräte erspare ich mir an dieser Stelle, aber es sind deutlich mehr als die abgebildeten Modelle in der ständigen Vorführung.

Ich werde nachfolgend die oben genannten Konzepte nicht ausführlich abhandeln, sondern nur ein paar Besonderheiten aus meinem in der Regel auch vorführbereiten Programm darstellen.

Klassische Verstärker bieten unter anderem Yamaha, NAD und, besonders puristisch, Exposure an. Paradebeispiel für ein echtes  Schwergewicht ist der Yamaha A-S 2100, der mit deutlich über 23 Kilogramm ein überragend gutes Preis-/Gewichtsverhältnis aufweist.

Die Design-Handschrift kennt man seit den späten 1970er Jahren ebenso wie die ultrasolide Verarbeitungsqualität und die damit einhergehende schiere Unverwüstlichkeit. Wussten Sie eigentlich, dass Yamaha auch in den Zeiten des Heimkino-Booms alle Vollverstärker mit Phono-Eingängen ausstattete, während die Marktbegleiter diesen dem Rotstift opferten? Applaus!

Eine ganz andere Nummer ist einer meiner Top-Favoriten überhaupt, der NAD C316 BEE V2. Dieser kleine Vollverstärker ist der legitime Nachfolger des meistverkauften Hifi-Verstärkers überhaupt und war auch viele Male zu Recht bei den Händler-Komplettanlagen bis 1000.- € die Schaltzentrale. Inzwischen verfügt er in der 2. Auflage auch über einen Plattenspieler-Eingang.

Ebenfalls klassische Transistor-Verstärker bietet Exposure an. Hier bekommt man bereits High End für relativ kleines Geld, wenn man bereit ist, auf Ausstattung zu verzichten. Im Bild ist der große S3010 S2D zu sehen. Immerhin kann man das Gerät entweder mit einem hochwertigen Phono- oder mit einem DAC-Modul erweitern. Die Vorteile: siehe unten.

Puristisch geht es weiter, auch wenn Röhren-Verstärker einen Gegenpol zu den Transistor-Verstärkern bilden. Zwar haben sich deren grundlegende Konzepte und Schaltungen in den letzten Jahrzehnten nicht so sehr geändert, aber auch in diesem Segment kann man von feinen technologischen Fortschritten reden. Auch ist die Frage der Versorgung mit Röhren-Nachschub keine essentielle mehr. Leider sind sie durch die Notwendigkeit der Verwendung von Übertragern nicht so günstig in der Herstellung wie ihre Silizium-Verwandten. Und auch die Leistung eines Röhren-Amps fällt zwar auf dem Papier deutlich geringer aus, wirkt aber gefühlt doppelt so stark. Aber wer einen gut gemachten Röhren-Amp mal gehört hat, weiß um deren Klangqualität.

Meine beiden Einsteigergeräte heißen zum einen Cayin MT-12 N für gerademal 800.- € und zum anderen MA-80 Selection für 1600.- €.

Eine Kreuzung beider Konzepte stellen die sogenannten Hybrid-Verstärker dar. Hier werden in der Regel eine Röhren-bestückte Vorstufe und eine MOS-FET-Endstufe in einem Gehäuse zusammengeführt. Das soll die klanglichen Meriten der Röhre mit der Kraft des Transistors vereinen. Paradebeispiel ist der Vincent SV-237MK, der den seit Jahren erfolgreichen SV-236 beerbt hat.

Dass Verstärker heute nicht mehr groß sein müssen, um klanglich Großes zu leisten, hat sich inzwischen herumgesprochen. Dass es allerdings noch eine ganze Ecke kleiner geht, zeigen die Boxen und Böxchen von Pro-Ject Audio. In drei Serien wird vom kleinen Vollverstärker Stereo Box S2 bis zur „ausgewachsenen“, sprich jeweils doppelt so hohen und doppelt so breiten und dennoch vollsymmetrisch aufgebauten Vor-/End-Kombi, alles präsentiert, was das Ohr begehrt. Letztere besteht aus der Pre Box RS mit Röhrenausgangsstufe, wahlweise auch als Pre Box RS Digital mit hochwertigem DAC inklusive externer Soundkarte sowie der Amp Box RS, ebenfalls bestückt mit Röhren, hier aber in der Eingangsstufe, für immerhin knapp 1800.- € beziehungsweise für 2200.- €. Das Bild zeigt die Vorstufe mit Digital-Sektion. Dass diese Kistchen nicht so klein klingen wie sie aussehen, bestätigen die beiden Anlagen, die meine Arbeitstische zieren und an denen ich mit großer Freude Musik höre!

Kommen wir noch einmal zurück zu NAD. Denn die aktuellen Modelle C368 und C388 sind modernste Vertreter einer Verstärker-Generation, die dem Musikhörer den Nutzzweck durch den optionalen Einschub verschiedener Module deutlich erhöhen. Außerdem erspart man sich unnötige Kabel und auch Steckplätze in der Steckdose.

Denken Sie wegen des recht spartanischen Äußeren bloß nicht, dass hier zu wenig Ausstattung geboten wäre. Im Gegenteil, denn die Menüs der beiden NADs sind sehr tiefreichend und umfassend. Und hier sehen Sie die Rückseite mit eingesetztem BluOS-Modul. Derzeit steht zusätzlich noch ein HDMI-Modul zur Verfügung.

Einen Sonderweg, und zwar einen ganz besonderen, geht Arcam mit seinem SR250. Auch hier handelt es sich im Kern um einen Verstärker, diesmal ist er in Class G-Technik aufgebaut. Das ist der geglückte Versuch, die klanglichen Vorteile der Class A-Topologie mit der Effizienz der Class B-Technik zu vereinen. Als wäre das nicht genug, hat Arcam diesen SR250 ausstattungsmäßig als AV-Receiver aufgebaut, bietet neben UKW und DAB+ also nicht nur Audioquellen Zugang, sondern kann auch alle beliebigen Video-Formate verarbeiten und weiterleiten. Außerdem gibt es ja inzwischen auch Blu-Rays in Audio-only, die höchste Auflösung mit einem physikalischen Datenträger ermöglichen. Hier ist der Arcam also bestens für nahezu alle Eventualitäten gewappnet. Was ihn aber in meiner Sicht, wie sagt der Engländer so schön: outstanding macht, ist die eingebaute Raumakustik-Korrektur namens Dirac Live. Diese kann anders als alle anderen, eher theoretischen, weil idealen und somit nur simulierenden Modelle, wie sie zum Beispiel auch von der nordbritischen Insel kommen, die realen akustischen Verhältnisse im realen Wohnraum des Nutzers aufnehmen und dann entsprechend einer selbst zu bestimmenden Zielkurve korrigieren. So etwas bringt klanglich deutlich mehr, als wenn man versucht, raumakustische Probleme durch irgendwelches Zubehör wie Cinch- oder Lautsprecherkabel zu verändern. Denn beheben wird man sie dadurch definitiv nicht! Insofern sind die 3500.- €, die Arcam für den SR250 aufruft, nicht gerade ein Sonderangebot, aber im allerbesten Sinne Preis-wert.

Nur einen Nachteil hat der Arcam möglicherweise: Man kann mit ihm, zumindest was sein Äußeres betrifft, nicht besonders damit angeben. Aber selbst einem eingefleischten Vegetarier kann das eigentlich Wurscht sein.

Aber die Krone im Ausstattungs-Marathon geht ganz eindeutig an den CocktailAudio X35! In diesem Gerät sind neben den bereits aufgeführten Features zusätzlich ein CD-Ripper und folgerichtig auch ein Music Server verbaut. Das erfordert normalerweise nicht nur eine weitere Menge Platz und eigentlich unnötige Verkabelung, sondern kostet auch richtig Zeit und Geld, wenn man seine CDs gescheit, aber eben nicht am PC/Mac rippen möchte. Für diesen Funktionsumfang sind 1700.- € plus Festplatte sehr tief gestapelt! Und weil das Gerät wirklich eine derart vielfältige Anschlussvielfalt bietet, sei hier auch noch mal der schöne Rücken gezeigt:

Zum Abschluss kommt noch das absolute Gegenteil des CocktailAudio X35 zu Wort, unser klanglich bestes Gerät, ein wahres Statement im Verstärkerbau, aber eben mit Quasi-fast-ganz-null-Ausstattung. Es handelt sich dabei um den Maestro in der Anniversary-Version von Audio Analogue. Muss ich hier noch erwähnen, dass es sich auch um meinen schwersten Verstärker handelt? Auch die Innenansicht lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Hoffentlich wird es solche Lay-Outs auch noch in 20 Jahren geben.

So, das war’s erst einmal fürs Erste, zum Zweiten und zum Dritten. Mehr Verstärker braucht kein Mensch!