Netzwerk und Streaming und damit auch Multiroom

Vorabbemerkung: Wer diesen recht ausführlichen Artikel als PDF und auch mit Bildchen aufgelockert lesen mag, kann das [hier] tun.

Music Server, Streaming Client, UPnP, NAS… das sind noch Böhmische Dörfer für Sie?
Keine Angst, es ist alles einfacher als befürchtet. Im Grunde geht es beim Streaming um die Nutzung musikalischer Inhalte ohne physikalischen Datenträger, wie es in ferner Vergangenheit die CDs, die Schallplatten oder auch Tapes aller Art waren. Das bedeutet dreierlei bei den möglichen Darreichungsformen: Zum ersten und zweiten greifen Sie über Ihren Router auf im Internet hinterlegte Inhalte zu. Gemeint sind hier Internetradio und Streaming-Dienste. Und zum dritten ist die dezentrale und auch zeitgleiche Nutzung von Ihnen selbst zentral hinterlegter Datenbestände.

Im Folgenden werden diese drei Optionen etwas ausführlicher dargestellt.

Bei den beiden erstgenannten Möglichkeiten interessieren wir uns also einerseits für das kostenfreie Internetradio mit seinen abertausenden Radiostationen weltweit und andererseits für den kostenpflichtigen Zugriff auf die aktuellen Streaming Dienste wie Qobuz, Tidal, Highresaudio sowie Spotify und wie die vielen anderen alle heißen, die zum Teil jeweils deutlich über 60 Millionen Musiktitel in ihrem Angebot führen. Aber lediglich die drei Erstgenannten bieten ihre Inhalte nicht nur in CD-Qualität, sondern vieles inzwischen sogar in echter Studioqualität an. Hier werden die aufgelisteten High Res-Albumtitel jeden Tag mehr. In beiden Sparten muss jeder für sich auf Entdeckungsreise gehen, ob und was gefällt.  Und auch die Frage, ob das den Künstlern monetär hilft, lassen wir hier unbeantwortet. Wir beleuchten an dieser Stelle momentan nur die technischen Aspekte. Das dritte Standbein beim Streaming ist, wie bereits erwähnt, der Zugriff auf eigene Musikdateien, die auf einem heimischen Music Server, die zum Beispiel auf einem dem heimischen Netzwerk angehängten Speicher (NAS = Network Attached Storage) hinterlegt sind, gemeint.

Aus welchen Bestandteilen ist ein einfaches Netzwerk zusammengesetzt, um es als vollwertige Hifi-Komponente einzusetzen und welche Funktionen kann man damit nutzen?

Die zentrale Schaltstelle für jedes Netzwerk ist der Router wie zum Beispiel die weitverbreitete AVM Fritz!Box. Dieser teilt jedem Gerät in diesem Netzwerk automatisch eine einmalige und damit eindeutige IP-Adresse zu. Somit ist jedes Gerät identifizierbar und auch über den Browser aufrufbar.

Was man als Erstes zur Anbindung an die bestehende Hifi- oder gar High End-Anlage benötigt, ist ein Streaming Client mit einem (eingebauten) Digital-/Analog-Konverter (DAC). Dieser wird wie früher jedes andere Gerät auch an den nachfolgenden Verstärker angeschlossen. Dieser Streamer kann mit unterschiedlichsten Zusatzfunktionen ausgestattet sein:

  • Er kann als Streaming Bridge wie der Auralic Aries Femto auch ohne DAC zum Beispiel mit einem bereits vorhandenen DAC oder mit einer Aktivbox mit Digitaleingang wie die Dynaudio-Baureihen XEO und Focus XD eingesetzt werden.
  • Er kann wie der Yamaha WXC-50 mit einem Vorverstärker ausgestattet sein, um ihn direkt mit einer Endstufe oder mit einer Aktivbox älterer Bauart zu verbinden.
  • Er kann wie der CocktailAudio X45 gleich einen Ripper (siehe unten) verbaut haben.
  • Er kann dann mit eingebauter Festplatte auch gleich als Music Server dienen.
  • Er kann wie der Lumin M1 mit eingebautem Vollverstärker den bisherigen ersetzen und so Platz im Regal schaffen. Oder als Stereo-Receiver mit Raumkorrektur. Oder als AV-Receiver fürs Heimkino. Oder…

Inzwischen gibt es so viele Mischformen bei der Hardware, dass es schwer fällt, eindeutige Gerätekategorien zu formulieren. Hier kommt man wohl nur zu einem Ergebnis, wenn man sich in einer unverbindlichen, nichtsdestotrotz fundierten und auch für Laien verständlichen Beratung beim FLSV klar macht, welche Bedürfnisse tatsächlich gefordert sind. Der FLSV bietet von der minimalistischen Streaming Bridge bis zum Vollausstattungswunder CocktailAudio X35 die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten.

Und was sind denn nun die Möglichkeiten? Die erste große Anwendung beim Streaming ist die Nutzung des Internet-Radios. Für dessen kostenfreie Nutzung gibt es viele Gründe. Vielleicht wurde auch bei Ihnen die analoge Einspeisung des UKW-Signals ins Kabelnetz abgeschaltet? Oder Sie möchten gerne Ihren Lieblingssender aus dem Urlaub auch zuhause hören. Sie sind an bestimmten Genres oder sogar Subgenres interessiert, die im normalen Sender-Bouquet nicht zu finden sind, weil Sie zum Beispiel den lieben langen Tag nur Bach oder nur die Beatles hören wollen. Sie fragen sich, wozu DAB+ überhaupt gut sein soll? Sie möchten verpasste Sendungen zu einem späteren Zeitpunkt nachhören? Sie informieren sich gerne gezielt über bestimmte Themen, indem Sie bereitgestellte Podcasts hierzu aufrufen? Sie möchten eine Fremdsprache üben. Oder die Sprache Ihrer Kindheit in einem anderen Land wieder auffrischen?

Sie sehen, es gibt jetzt schon tausend Gründe, Streaming mit der Nutzung des Internet-Radios zu beginnen, gerade weil es spannend ist, sich von der lieben Mühe, die sich die Journalisten, Moderatoren und DJs in aller Welt gemacht haben, überraschen zu lassen.

Das Gegenstück hierzu bilden die vielen Streaming Dienste, bei denen Sie aus einem inzwischen schier überbordenden Angebot an Musiktiteln aussuchen, was Sie hören möchten. Der bekannteste Anbieter ist sicher Spotify, der uns Hifi-Jünger aber (noch) nicht interessiert, da dessen Angebot stets verlustbehaftet ist, denn dort kann alle Musik lediglich in MP3 mit maximal 320kbit/s gestreamt werden. Somit schauen wir auf die beiden großen und den kleinen Anbieter, die Musik unkomprimiert als auch ohne Datenreduktion anbieten, nämlich Qobuz, Tidal und Highresaudio. Für die deutlich bessere Klangqualität ist ein monatlicher Obolus zu entrichten, der aber nur als Nutzungsgebühr zu verstehen ist. Das heißt, dass Sie keinerlei Anrechte auf die in Ihrer Playliste angehäuften Titel haben, wollten Sie den Anbieter wechseln oder ganz mit dem Streaming aufhören.

Diese Art des Streaming wird wohl in Zukunft die meistgenutzte Art der Musikadaption sein. Bedenkenträger wie Michael M. aus B. merken an dieser Stelle an, dass ganz viel Musik ganz beliebig sein wird, da sie ja zu jeder Zeit vollumfassend zur Verfügung steht. Junge Menschen werden sich möglicherweise nicht mehr ihren eigenen Musikgeschmack erarbeiten, weil der große Algorithmus der Streaming-Dienste ja stets einen musikalisch ähnlichen Titel vorschlagen wird. Außerdem steht zu befürchten, dass die allermeisten Musiker, sieht man von den ganz großen Szene-Stars einmal ab, kaum noch Geld aus der Verwertung ihrer Musik ziehen können, da sie kaum noch physikalische Datenträger verkaufen werden und die Entlohnung über die Klicks im Streaming Portal, bisher zumindest, geradezu erbärmlich ist. Hier entgegnet aber der Optimist Michael M. aus B. genauso unvehement, dass man so Musik kennenlernen kann, die man in Charts niemals hören wird, so sehr man es sich vielleicht auch wünschen mag. Mal schauen, wie das weitergeht, wenn die bisherigen Kanäle, die neue Musik und neue Stars geschaffen haben, nicht mehr in dem bisherigen Maße unterstützt werden. Entweder gibt es eine Einheitssoße oder, noch schlimmer, einen Einheitsbrei. Oder Nischen, die ähnlich dem Vinyl-Boom, in denen Musikschaffende und Musikliebhaber ganz andere Wege gehen. Aber eins scheint wohl sicher zu sein: Tschüss CD!

Anmerkung: Qobuz und Highresaudio bieten eine Mischform aus Streaming und Download an, bei denen man als registrierter Nutzer Alben vergünstigt herunterladen kann und somit auch alle Rechte an der privaten Verwertung kauft. Das scheint mir derzeit eine halbwegs faire Balance zwischen Künstler und dem Musikhörer als Konsument zu sein.

Möchte man aber drittens auf seine eigenen Datenbestände, schließlich war die Compact Disc knapp 30 Jahre das Musikmedium schlechthin, zugreifen, benötigt man einen Datenspeicher. Das muss nicht zwingend die Festplatte des PC/Mac sein. Im Gegenteil ist es sogar besser, weil sicherer, ökologischer und damit letztlich auch ökonomischer, eine sogenannte NAS (Network Attached Storage), also einen Netzwerk-basierenden Massenspeicher einzusetzen. Es kann aber auch ein speziell für den Musikgenuss-Zweck aufgesetzter Computer sein. Sehr detaillierte Ausführungen zu Computer-Hifi finden Sie [hier].

Man könnte nun einen umfassenden Artikel, wie man am besten seinen Schatz im Silbersee (frei nach Herrn Karl M., auch einem Lebensabschnitts-Bamberger!, für die eigene CD-Sammlung) am Computer hebt und dann auf einer NAS speichert, verfassen. Das Gleiche gilt für den Download von hochaufgelöster Musik von entsprechenden Portalen. Aber das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, zumal es an anderer Stelle bereits ausführlich beschrieben wurde. Aber hierzu gebe ich Ihnen gerne alle mir bekannten Tipps und Tricks vor Ort im Ladengeschäft. Deshalb kommt jetzt hier nur die Kurzform.

Als erstes müssen die vorhandenen CDs in eine für den Computer verdauliche Form auf die Festplatte bzw. NAS gebracht werden. Dieser Vorgang wird als Ripping bezeichnet. Das kann mit Hilfe eines Computers und geeigneter Software geschehen. Der Arbeitsaufwand hierfür ist  – je nach Größe der CD-Sammlung – nicht zu unterschätzen. Viel einfacher und bequemer geht das Ganze, wenn Ripper und NAS in einem Gerät vereint sind und das Ripping vollautomatisch erledigt wird. Am besten und einfachsten geht das mit dem Original, der RipNAS. Einfach eine CD nach der anderen ins Laufwerk legen und nach wenigen Minuten ist diese 1 zu 1 im Wunschformat – die high-fidelen heißen FLAC, ALAC oder WAV bzw. AIFF und sind allesamt verlustfrei – auf der internen Festplatte hinterlegt, garniert mit allen sogenannten Meta-Daten, auch Tags genannt, wie die Namen des Interpreten und die Titel, die Cover und die Spielzeiten etc. Man kann diese Daten am Rechner und dort über den Browser auch nachträglich nach seinen Wünschen editieren. Wichtig dabei zu wissen ist, dass man dann den Dateinamen und die Tags getrennt ändern muss, damit sie gleichartig im Streamer als auch im Browser erscheinen.

Diese Geräte sind im Betrieb so leise, dass man sie ohne Vorbehalt auch zur Musikanlage stellen könnte.

Sollte Ihnen das zu viel Arbeit bedeuten, weil Sie zum Beispiel lieber mit dem Rad durch die Gegend fahren würden, dann delegieren Sie diese Arbeit einfach. Wie das geht, erfahren Sie nochmals [hier].

Und noch ein Lesetipp: Sollten es Sie interessieren, wie sich diese relativ neue Technologie in den letzten Jahren gewandelt hat, dann können Sie den Beitrag, der hier noch vor kurzem stand, [hier] noch einmal lesen. Viel Vergnügen!