Die Bamberger Analog-Tage 2026 werfen ihre Schatten voraus #1: Pro-Ject Audio = Kompetenz in Phono-Vorverstärkung
Wenn es einen Anbieter von Phono-Vorverstärkern, MC-Übertragern und passenden Zusatznetzteilen gibt, der es schafft, von der untersten Preisklasse bis eben doch noch nicht abgehoben ein besonders fein abgestuftes Programm anzubieten, dann ist das sehr wohl Pro-Ject Audio! Von knapp 100.- €* bis gerade mal im unteren vierstelligen Euro-Bereich werden hier richtig viele Modelle angeboten.
Uns interessiert aber in diesem Artikel nicht so das Tagesgeschäft**, sondern die Perspektive auf die Bamberger Analog-Tage 2026. Diese finden wie schon so oft wieder Anfang Dezember statt.*** Und hier wird immer etwas Besonderes dargeboten. So viel sei jetzt schon verraten: Es geht diesmal stets um Vergleiche, die vernünftig sind.
Aber um schon einmal die Vielfalt allein dieses Herstellers zu demonstrieren, wurden die größeren Modelle samt ihrer optionalen Zusatznetzteile**** mal auf einen Regalboden zusammengestellt, wie man sie alle auf dem Aufmacherfoto sieht.
Ich stelle nun diese stets recht kleinen Kästchen einfach mal in Bild und Ton und auch hierarchisch vor.
Die kleine Klasse:

Die ersten richtig ernstzunehmenden Phono-Vorverstärker mit High End-Ansprüchchen***** sind die Phono Box S2 und erst recht die Phono Box S2 Ultra. Letztere mit komplett diskret aufgebauter Elektronik macht schon richtig Spaß. Besitzer von Plattenspielern bis 1000.- € sollten dieses Kistchen sehr wohl in ihre Überlegungen einbeziehen.

Das hierzu passende und gegenüber dem im Lieferumfang befindliche Steckernetzteil deutlich rauschärmere Zusatznetzteil im gleichen Format ist die Power Box S3 Phono. Ein Vorteil ist, zumindest bei Verwendung eines Plattenspielers von Pro-Ject, dass man eben beide Apparate gleichzeitig damit versorgen kann und so ein klobiges Steckernetzteil weniger in der Steckdosenleiste unterzubringen hat.******
Die erste symmetrisch aufgebaute Phono-Stufe ist die Pro-Ject Phono Box S3 B. Sie arbeitet vorzugsweise mit den Plattenspielern von Pro-Ject zusammen, die am Ende ihres namens ein B wie Balanced tragen. Hier wird ein einzelnes Kabel mit Mini-XLR-Steckern zur schnellen und sicheren Verbindung eingesetzt, das so aber (noch) keine Norm für alle symmetrisch aufgebauten Plattenspieler darstellt.
Die vernünftige Mittelklasse:

Schon richtig ans Eingemachte geht es in der DS-Baureihe des österreichischen Herstellers. Auch ich verwende die Tube Box DS2 gerne in der praktischen Beratung, weil man 2 Plattenspieler parallel anschließen kann und das entzerrte und verstärkte Signal dann auf einen oder zwei Ausgänge leiten kann. So wird eine nahezu perfekte Vergleichbarkeit gewährleistet.

Denselben Funktionsumfang, aber für vollsymmetrischen Betrieb ausgelegt, bietet die Tube Box DS3 B. Diese bietet neben der hauseigenen Mini-XLR-Buchse auch die klassische und auch genormte und somit kanalgetrennte XLR-Verbindung.
Beide Phono-Vorverstärker profitieren nicht nur klanglich deutlich vom dazu passenden Linear-Netzteil Power Box DS3 Sources. Der praktische Nutzen mit nur einem Steckplatz in der Mehrfachsteckdose gilt selbstredend auch hier.
Die Spitzenklasse:
Ein wenig in die Jahre gekommen ist die Phono Box RS , die seinerzeit die erste vollsymmetrische Phono-Vorstufe „für denn Geld“ war, wie der fränkische Franke in Oberfranken so schön sagt. Aber auch nach dieser Zeit ist dieses Teil immer noch wettbewerbsfähig, erst recht, wenn man sie mit der Power Box RS Phono flankiert.

Ein ganze Klasse oder zwei darüber positioniert sich die Phono Box RS2 , die nicht nur technisch deutlich gegenüber der Phono Box RS weiterentwickelt wurde, sondern neben verschiedenen Entzerrerkurven (RIAA und Decca) auch eine Balance-Regelung bietet, wenn die Kanalgleichheit des Systems oder auch der Justage nicht ganz hundertprozentig stimmen sollte. Auch hier empfiehlt sich das Upgrade mit der später und separat zu erwerbenden Power Box RS2 Phono, erst recht, wenn man einen Pro-Ject Plattenspieler nutzt.*******

Eine besondere Form stellt der Step up-Transformer für Moving Coil-Tonabnehmer dar. Diese Übertrager sind hauptsächlich für eher leise MC-Systeme gedacht. Sie verstärken mittels zweier Trafo-Wicklungen lediglich mit einem Faktor von etwa 1:10.
Es gibt zwei mögliche Einsatzgebiete für derlei Übertrager. Die einfachste ist die, dass jemand einen Plattenspieler samt Tonarm mit einem Moving Coil-Abtaster ausstatten mag, aber beim nachfolgenden Vorverstärker oder Vollverstärker lediglich ein Eingang für MM-Systeme vorhanden ist.******** Es braucht in diesem Fall also keinen neuen vollwertigen Phono-Vorverstärker, sondern nur diese eine Verstärkerstufe.
Eine andere Gruppe von Nutzern von Übertragern beruft sich auf die rauschärmere Wiedergabe, da die MC Step up-Transformer ohne Spannung auskommen. Sie schwören auf eine rauschärmere und auch farbigere Wiedergabe ihres MC-Tonabnehmers gegenüber der All in one-Verstärkung. Dass das unterm Strich teurer kommen wird, sei aber an dieser Stelle aber auch nicht verschwiegen.

Es gibt von Pro-Ject Audio zwei solche Typen. Die MC Step Up Box S3 stellt den kleinen Einstieg in diese Welt dar. Aber schon richtig lecker, weil mit symmetrischen Eingängen und Ausgängen versehen, ist die MC Step Up Box DS3 B. So wird auch in diesem Gerätesegment dem Prinzip des True Balanced gehuldigt. Und ganz nebenbei bemerkt: Das nächste mir bekannte Modell im freien Markt mit einer solchen Ausstattung kostet ungefähr das Doppelte.

Eine fundierte Beschreibung beider Geräte können Sie in diesem Test eines Ex-Wahl-Bambergers nachlesen.
Nachbemerkung: Dem aufmerksamen Leser ist bestimmt aufgefallen, dass im Aufmacherbild die Pro-Ject Phono Box RS2 fehlt. Diese war tatsächlich kurz vorher für eine Teststellung aus der Hand gegeben worden. Viel Spaß und Erkenntnis damit, Claus V. aus B.!

* Ich nenne die Preise stets mit dem immer benötigten Paar Cinch- oder XLR-Kabel, das man für die Strecke vom Phono-Pré bis zum eigentlichen Vor- oder Vollverstärker benötigt. Dieses ist in der Regel teurer, als es der Setpreis suggeriert!
** Eigentlich braucht es hier ja keine Klarstellung, dass all die hier vorgestellten Böxchen und Boxen ständig vorführbereit sind, solange sie im aktuellen Line-up des Vertriebes sind.
*** Das genaue und bereits nahezu vollständig formulierte Programm folgt in Kürze auf diesem Schwarzen Kanal.
**** Diese Zusatznetzteil bringen aber nicht nur klanglich Vorteile für den genutzten Phono-Vorverstärker, sondern bieten auch einen zweiten Abgriff für den verwendeten Plattenspieler, wenn es denn ebenfalls ein Pro-Ject oder einer mit 15 Volt DC ist.
***** „Was? Diese Kistchen sind doch nicht mal ansatzweise High End“, wird hier so mancher selbst ernannter High Ender aufschreien. Aber das ist gar nicht so weit hergeholt, wenn wir uns mal klarmachen, wie viele Menschen überhaupt noch analog Musik genießen und wie viele von diesen Nutzern von Schallplattenspielern den hier geforderten Geldbetrag nur allein für die RIAA-Entzerrung und die nötige Verstärkung ausgegeben haben. Na, seht ihr!
****** Das gilt selbstredend auch für alle größeren, hier beschriebenen Modelle und Ausführungen.
******* Alle Modelle von Pro-Ject außer den Juke Boxen verwenden 15 Volt Gleichspannung für den Antrieb.
******** Das ist kein Manko, wenn dieser wie etwa beim Netzwerk-Schlachtschiff R-N2000A von Yamaha entsprechend hochwertig ausgeführt ist.


