Neuer Anwärter in der Klasse der Plattenspieler bis 3000.- €: Dual CS718Q
Als gäbe es nicht schon genug Auswahl beim FLSV in Bamberg bei den Plattenspielern in der bereits sehr gehobenen Preisklasse bis 3000.- €*, da kommt nun endlich auch der neue Dual CS 718Q zur Auslieferung.

Wir erinnern uns: Ein Vorserienmodell des Dual CS 718Q hat bereits bei den Bamberger Analogtagen 2025 für ein proppenvolles Kleines Vorführstudio gesorgt.

Der Dual CS 718Q verfügt wie bereits der Dual CS 618Q über einen Direktantrieb, der allerdings für den deutlich schweren Plattenteller des größeren Modells technisch angepasst wurde.

Für den klanglichen Fortschritt ist aber maßgeblich der neue Tonarm verantwortlich. Dieser ist zwar nach alter Väter Sitte designt, verfügt unter anderem über ein Alu-Carbon-Sandwichrohr, das sämtliche Resonanzen im Keim ersticken soll. Zudem lassen sich nun die Tonarmhöhe als auch der Azimut einstellen. Ersteres ist zum Beispiel wichtig bei unterschiedlich dicken Schallplatten** und Zweiteres für die exakte 90 Grad-Ausrichtung des Nadelträgers samt Diamant zur Schallplatte.***

Offensichtlich hat sich erstens auch etwas bei den Anschlüssen getan. Dreht man den Dual CS 718Q mal herum, sieht man zunächst die beiden zusätzlichen Buchsen für den Anschluss an den nachfolgenden Verstärker. Neben den unsymmetrisch ausgelegten Cinchbuchsen sind auch XLR-Buchsen vorbereitet, die vornehmlich Moving Coil-Tonabnehmersystemen einen klanglichen Vorsprung dann ermöglichen, wenn der Eingang des Phono-Vorverstärkers ebenfalls vollsymmetrisch ausgeführt ist.
Was man erst auf den zweiten Blick erkennt, ist, dass der neue Dual CS 718Q keinen Phono-Vorverstärker mehr eingebaut hat, wie ihn all seine kleineren Geschwister per Schalter auf der Rückseite zu- oder abschaltbar haben. Das halte ich auch in dieser Preisklasse für pragmatisch, denn die Bandbreite der sinnvoll einzusetzenden Tonabnehmer ist doch ungleich höher als selbst beim Dual CS 618Q.

Die dritte Besonderheit, die nicht jedem Käufer direkt nach Erwerb schmecken könnte, ist die Tatsache, dass dem Dual CS 718Q keinerlei Signalkabel für die Verbindung zum nachfolgenden Phono-Vorverstärker beiliegt, nicht mal ein ganz einfaches, um wenigstens nach dem Kauf einen Funktionstest durchführen zu können. Dass ein gewisser MM sowieso empfiehlt, ein in der Regel deutlich besseres Phono-Kabel als die Beipackstrippe in der Qualitätsstufe des Tonabnehmers einzusetzen, ist ja ganz klar und eindeutlich.**** Hier bieten sich wie so oft die preiswürdigen Phono-Kabel von Supra Cables an. Bei den XLR-Verbindungen muss lediglich ein separates Erdungskabel an die Ground-Klemme des nachfolgenden Verstärkers geführt werden.
Als sehr praktisch empfinde ich viertens den direkten Netzanschluss ohne fummeliges Steckernetzteil. Wenn es etwas besser sein darf, nein: es sofort besser sein muss, wird nicht das beiliegende Netzkabel**** verwendet, sondern gleich ein gutes, aber nicht überteuertes Netzkabel ebenfalls von Supra Cables.


Der Dual CS 718Q wird anders als die kleineren Modelle ohne Tonabnehmer ausgeliefert. Deswegen ist auch der ganz direkte Vergleich bei den jeweiligen Preisnennungen der unten genannten Marktbegleiter nur mit Umwegen möglich. Hier muss deswegen genau hingeschaut werden, denn der Technics und auch der Origin Live werden ebenfalls ohne Tonabnehmer ausgeliefert, während die anderen Schallplattenspieler sofort anzuschließen sind. Positiv ausgedrückt würde der Pressetext so lauten: Wir lassen dem neuen Besitzer freie Hand bei der Wahl seines bevorzugten Tonabnehmersystems. Noch positiver finde ich allerdings diese Variante: Wir bieten dem Nutzer ein sinnvolles Paket inklusive eines abgestimmten Tonabnehmers an, das zudem im Paket eine ganze Schippe günstiger zu erwerben ist.*****
Hatte ich schon erwähnt, dass auch der neue Dual CS 718Q ebenfalls wie die kleineren Modelle über die sehr praktische Autolift-Funktion verfügt? Hier hebt sich am Ende der Schallplatte automatisch an und stoppt den Teller. Diese von einer ebenfalls im ehemaligen Schwarzwald beheimateten Firma schon vor vielen Jahrzehnten entwickelte Technik schont so auch den Diamanten, greift dabei aber vor allem nicht in die filigrane Mechanik des Tonarms ein. Diese Funktion bietet keines der anderen genannten Modelle ab Werk.

Der Dual CS 718Q wird beim FLSV in Bamberg nun zum Standard. Warum? Und vor allem: Wofür? Es gibt viele noch bessere Gründe dafür, dass es keine abnehmbare Headshell am Tonarm braucht, wird doch die Anzahl der Signalübergänge drastisch reduziert.****** Aber nur an einem solchen Tonarm wie dem des Dual CS 718Q lassen sich auf die Ganzschnelle verschiedene Tonabnehmer mit einem doppelten Handgriff montieren. Die fummelige und penibelst auszuführende Justage-Arbeit ist da ja schon erledigt worden. Lediglich die Auflagekraft und gegebenenfalls die Höhe des Tonarms müssen händisch noch korrigiert werden. Hier habe ich mich für den Dual CS 718Q als Testmodell entschieden, um verschiedenste Tonabnehmer im nahezu zeitverlustfreien Direktvergleich Probe hören zu können. Denn nur dieses Modell bietet neben dem schnellen Wechsel auch die symmetrische Signalführung an. Es werden vom Ortofon 2M Red als bewährtes MM-Einsteigersystem bis hin zu schon sehr hochwertigen MC-Systemen wie dem Skyanalog G2 MK II eine große Palette an Möglichkeiten dargeboten.
Auch wenn es vielleicht nicht sechs verschiedene Plattenspieler in dieser schon gehobenen Preisklasse in der ständigen Vorführung bräuchte, wird dieses Fachgeschäft in Bamberg seinem Ruf dadurch wieder mal mehr als gerecht, seinen Kunden ein breit gefächertes Angebot nicht nur zum Anklicken darzustellen, sondern in echt und auch spielbereit vorzuhalten.
Ich wünsche viel Spaß und auch Ausdauer beim Vergleichstest der Superlative.

* Als da in alphabetical order aufzuzählen sind: ATR Celebration 40, MoFi UltraDeck, Origin Live Aurora, Pro-Ject X8B als SuperPack und schließlich noch der Technics SL-1200GR2.
** Man erinnere sich zum Beispiel an niederländische Pressungen aus den 1970er Jahren und an eine aktuelle Schallplatte mit 180 oder gar 200 Gramm. Da sind die Höhenunterschiede mit bloßem Auge zu erkennen und das nicht nur bei Welligkeit des jeweiligen Long Players.
*** Denn nicht die Gehäusekanten des Tonabnehmers sind für den exakt gleichen Pegel beider Kanäle entscheidend…
**** Ich weiß nicht, ob es ein echter Trost für diesen Mangel ist, wenn dem Dual CS 718Q gleich drei unterschiedliche Netzkabel, nämlich für Kontinentaleuropa, fürs halbwegs United Kingdom (UK) als für die zur Zeit sehr Un-USA beiliegen.
***** MoFi ist hier einsame Spitze, denn hier werden gleich drei hierarchisch unterschiedlichen Typen angeboten. Zur Not kann man das Laufwerk samt Tonarm aber auch ohne System kaufen.
****** Eine Ausnahme stellen die Systeme aus Ortofons Baureihe Concorde Music dar, denn hier entfallen dafür die Anschlusskäbelchen von den Anschlussstiften des Tonabnehmers hin zum Tonarm und dessen Innenverkabelung.


