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Minimalistische Anlagen-Konzepte #27

Inzwischen gibt es ja immer mehr Geräte mit immer mehr Funktionen. Früher gab es hierfür auch separate Quellgeräte, was nicht nur opulenter aussah*, sondern auch zwingend deutlich teurer war. Man bedenke dabei, dass jedes Gerät ein eigenes Gehäuse und ein eigenes Netzteil, ein eigenes Display und meist auch eine separate Fernbedienung erforderte. Das ist heute nur noch stark eingeschränkt nötig, was auch zur Folge hat, dass derlei Gerätschaft entweder deutlich günstiger zu erwerben oder bei Preisgleichheit entsprechend hochwertiger ist.

In dieser Vorstellung wird als Ergänzung zu derlei Integrierten mal wieder die gute, weil klassische (Voll-) Aktiv-Box** in den Fokus gestellt. Hier sind – zur Erinnerung – die Endverstärker jeweils in der Box verbaut. Das alleine bedingt schon sehr kurze Kabelwege und somit deutlich mehr Kontrolle über die Lautsprecherchassis. Was aber den größten klanglichen Benefit bringt, ist, dass die Frequenzweichen (hier kleine Kondensatoren und Widerstände) vor den Verstärkern platziert sind und somit nur minimalste Verluste erzeugen. Hiervon träumt jede Passiv-Weiche nur, egal wie hochwertig die Güte der verwendeten Bauteile ist. Über weitergehende Vorteile werde ich mich hier ** auslassen. Und zudem gibt es vergleichende Testreihen, die bestätigen, dass bei Lautsprechern, die sowohl in einer passiven als auch in einer aktiven Version zur Verfügung stehen, stets die mit ohne Verlusten vorgezogen wird.

Das führt uns direkt zu dem Lautsprechermodell, um das es in diesem Beitrag geht: ATC SCM19A. ATC ist einer von drei Anbietern im Portfolio des FLSV, die tief in der professionellen Studio-Technik verwurzelt sind.*** Die ATC SCM19A ist ein schnörkelloser Aktiv-Lautsprecher, der neben dem Stromanschluss lediglich je einen Cinch-Eingang und dem klar zu bevorzugenden, weil symmetrisch ausgelegten XLR-Eingang aufweist. Die ATC SCM19A ist wie ihr passives Pendant SCM19 geschlossen aufgebaut****, was zum einen deutlich mehr Tiefgang verspricht, andererseits aber deutlich weniger Kompromisse bei der Platzierung im Wohnraum erfordert. Sprich: Die ATC SCM19A lässt sich, ganz pragmatisch gedacht, sehr viel wandnäher aufstellen, als die meisten Kollegen mit dem Bassreflex-Port auf der Rückseite.

Aktiv-Einschub der ATC SCM19A: Signal rein, Strom rein, fertig!

Was aber die ganz großen Boxen von ATC auszeichnet, nämlich die Mitteltonkalotte mit immerhin 3 Zoll = ungefähr 75 Millimeter Durchmesser, in der Szene liebevoll als Bärennase bezeichnet, scheint hier zu fehlen, handelt es sich doch augenscheinlich um eine Zweiwege-Box. Richtig und falsch. Richtig ist, dass es sich um nur zwei Chassis handelt, falsch aber, weil die Mitteltonkalotte beim Tiefmitteltöner als Staubschutzkalotte integriert sehr wohl ihren Dienst tut.

Ja, wo ist denn die Bärennase? ATCs Markenzeichen als Staubschutzkalotte des Tiefmitteltöners getarnt

So kommt uns diese Nur-Aktiv-Box insofern entgegen, weil wir nahezu alle geforderten Ausstattungsattribute in unserem Front End vereint haben. Wir verwenden in dieser Home-Old-School-Anlage (HMWA) einen CD-Player, der auch über einen Vorverstärker verfügt. „Ein CD-Player, wie schnöde. Das ist doch Technik von vorgestern!“, werden Sie jetzt vielleicht denken.

Weit gefehlt, denn der Ayon CD-35 II in der Signature Version hat neben seinem Top Lader-Laufwerk

auch einen von außen nutzbaren Digital-/Analog-Wandler (DAC) und eine Röhren-Ausgangsstufe mit analoger Lautstärke-Regelung.***** Neben den Digitalquellen wie Streaming Bridge oder besser, weil noch direkter und deswegen noch weniger verlustbehaftet, gleich einen Music Server, wie wir ihn von Roon und von Soul anbieten, können auch drei analoge Quellen angeschlossen werden.

Im Prinzip sogar ein Paar Kabel zu viel. Aber Der Ayon Audio CD-35 II versorgt bei uns gleich 2 High End-Anlagen

Dass in einer solch kleinteiligen Installation auch entsprechend viel weniger Kabel aller Art benötigt werden, grämt zwar den Fetischisten, der lieber Kabel hört als Musik, freut aber die Hausfrau, den Stubenmann und auch das Mainzelneutrumchen.

Aber für unseren minimalistischen Aufbau heute verwenden wir im Hörtest ein paar der vielen tausend Compact Discs, die sich im Laufe der letzten knapp vier Jahrzehnte angesammelt haben. Und es verwundert nicht, dass die Musik sofort ertönt,****** wie festgenagelt zwischen den Lautsprechern und mit einem Charme, dem man sich nicht entziehen kann. Das ist so gut, dass, wenn man mich zu einer Entscheidung nötigen würde, entweder nur noch meine altbackenen CDs hören zu dürfen oder die schier unendliche Vielfalt des High Res-Zeitalters hören zu müssen, diese nicht allzu schwer fallen würde. Aber zum Glück ist man mit dem Ayon Audio CD-35 II eigentlich nicht in dieser zwickenden Mühle. Dieses Gerät macht süchtig und reiht sich ein in die Riege der absoluten High End-Geräte!

Wer schon mal ein wenig in einen wenig spektakulären, dafür umso fundierteren Test der ATC SCM19A hinein lesen möchte, kann das [hier] tun. Und wenn Sie denken sollten, die hier getestete Box sieht aber genauso aus wie die hier abgebildete, dann haben Sie so was von recht! Sie isses!

Ist sie nicht zierlich?

Auch der Ayon Audio CD-35 II hat diverse Meriten eingeheimst, wenn auch eher in Englisch. Oder ist Ihnen Polnisch lieber?

Nachzutragen ist an dieser Stelle nur noch, dass ATC hierzulande von Audio Trade ATR und Ayon Audio von Audium vertrieben werden.

Sie wissen ja, dass wenn es spannend bleibt, dann beim Hifi-Dealer Ihres Vertrauens, nämlich beim FLSV in Bamberg!

*Es gibt immer noch Kunden, die geradezu trotzig auf ihrem Hifi-Altar bestehen, auch wenn es heute Einheiten gibt, die alles trotz oder gerade wegen ihrer Kompaktheit besser machen. Lieber Protz zum Trotz, als…

**Die vollausgestatteten Aktivboxen mit allem drin, wie sie Cabasse mit den Modellen Pearl und Pearl Akoya, DALI in gleich drei Baureihen (Oberon C, Callisto und Rubicon C), KEF mit der nagelneuen LS50 MK II und auch Q Acoustics mit der noch nagelneueren Q Active 200 anbieten, werden demnächst in diesem Theater nochmals und noch genauer unter die Lupe genommen.

***Keine Frage für „Wer wird Millionator?“, aber trotzdem: Wie heißen die beiden anderen Marktbegleiter?

****Die fehlende Nutzleistung des im Gehäuseinneren in Wärme gewandelten Schalls wird jeweils durch mehr zugeführte Leistung kompensiert. Hier muss nur das Tiefton-Chassis entsprechend belastbar sein. Und das ist es!

*****Das bedeutet hier, dass diese nicht zu Lasten der Auflösung des Digitalsignals ausgelegt ist.

******Fragen Sie sich mal ehrlich, ob das immer genauso schnell in Ihrem heimischen Netzwerk klappt, dass Sie bereits nach wenigen Millisekunden schon Musik zu hören ist. Das hat schon was für sich, zumal es ja Abermilliarden Tonträger dieses Formats immer noch zur Verfügung stehen. *******

******* Ich jedenfalls entsorge meine (bereits gerippten und sorgfältigst getaggten) CDs jetzt erst recht nicht mehr, nachdem ich diese mit dem Ayon CD-35 II hören konnte.

Ja, wo hat denn der Herr Wanders das Design für die ‚Nocturne‘ geklaut?

Wir geben proudly bekannt, dass wir einen der derzeit famosesten, weil vollständigsten Lautsprecher auch in der limitierten Sonderversion Nocturne in der Verführung haben. Leider ist es zu den normalen Öffnungszeiten stets zu hell, um dem faszinierenden Lichtspiel der Fluoreszenz zu erliegen, das geht zu Hause besser! Hier ein kleiner Eindruck, wie eindrucksvoll das aussieht: Aber was hat das mit der dämlichen Überschrift zu tun? Ganz einfach, denn ich weiß seit letztem Wochenende, was Herrn Marcel Wanders genau zu diesem Design inspiriert hat. Wollen Sie es auch wissen? Dann schauen Sie sich bitte einfach den Boden unserer Grünkohltopfes mal an: