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Verstärker-Neuzugänge im Portfolio des FLSV der letzten Zeit

„Du, Herr Munk, was hast du denn für Verstärker so zwischen 3000.- und 4000.- € im Programm?“, das werde ich in letzter Zeit häufiger gefragt. Das sollte also an dieser Stelle mal geklärt werden.

Hier ist als Verstärker ein so genannter Vollverstärker die Zentrale einer HMWA (Heimische Musik-Wiedergabe-Anlage) gemeint, der mit analogen und/oder digitalen Quellgeräten und passiven Lautsprechern betrieben wird. Und gleich bei den zu verwaltenden Quellen gehen die Meinungen, was wichtig ist, ziemlich auseinander. Während der eine lieber seine Schätze auf Vinyl und seinen CD-Player nutzen mag, braucht der nächste Interessent nur noch einen Streaming Dienst-fähigen Verstärker, der dafür aber zwingend über eine App* steuerbar sein muss.

Aber der FLSV wäre nicht der Fränkische Lautsprecher-Vertrieb, wenn er nicht auch in diesem schon recht gehobenen Preissegment mehrere Alternativen zur Auswahl hätte. Wenn man genauer hinschaut, sind es dann doch nicht so viele, denn die hier vorzustellenden Probanden erfordern ob ihrer spezifischen Ausstattung schon zwingend eine Vorauswahl.

Neuzugang #1: Yamaha A-S2200

Mit den typischen VU-Metern aus 100 Metern als Yamaha erkennbar; aber auch sonst ist alles dran am A-S2200

Beginnen wir mit einem Klassiker beziehungsweise mit der modernen Interpretation eines klassischen Vollverstärkers der Spitzenklasse des japanischen Edel-Herstellers Yamaha, nämlich dem A-S2200. Fast so, als wären die letzten 35 Jahre im Zeitraffer vergangen, steht er in seinem Design mit den typischen Knebelreglern und den beiden VU-Metern (englisch für Volume Unit) massiv vor einem. Anders als seine kleineren Geschwister verzichtet der Yamaha A-S2200 auf digitale Eingänge. Logischerweise bietet das Gerät daher auch keine Streaming-Option. Hier kann man nur seinen anachronistischen Plattenspieler und seinen fast schon mausetoten CD-Player, aber auch seinen vorsintflutlichen Tuner anschließen. Was, Sie haben sogar noch ein Tape Deck oder, noch viel schlimmer, ein richtiges Tonbandgerät und nutzen hier einen echten Record Out-Ausgang zum Aufnehmen? Dann ist dieser Prachtkerl genau das richtige Gerät für Sie!

Ziemlich vollausgestattet für den puristischsten Vertreter dieser Vorstellung: Die Rückseite des Yamaha A-S2200

Vollsymmetrischer Aufbau, ausreichend Leistung für so ziemlich alle Lautsprecher im Portfolio des FLSV sowie ein überragend rauscharmer Phono-Vorverstärker für MM- als auch für MC-Tonabnehmer zeichnen den Yamaha A-S2200 genauso aus, wie seine superstabile Bauweise und auch seine überhaupt nicht altbackene, sondern für einen Hifi-Junkie sogar eher zeitlose Design-Handschrift mit den hochglänzend lackierten Seitenwangen.

Hier sieht man, warum auch kein Digital Board oder auch kein Streaming Modul mehr ins Gerät gepasst hätten.

In dieser Baureihe gibt es einen leicht abgespeckten kleinen Bruder namens A-S1200 sowie eine noch größere Schwester, die auf A-S3200 hört und die von all dem Genannten noch eine Schaufel drauf packt.

Tests zum Yamaha A-S2200 können Sie [hier] und auch [hier] lesen, falls Sie dem hier Gedruckten noch nicht so ganz trauen sollten.

Neuzugang #2: Vincent SV-737

Nur echt mit Bullauge: Vincent SV-737 aus der hauseigenen tubeLine; die Leuchtkraft der Röhre lässt sich regeln.

Auch hier haben wir es mit einem echten Schwergewicht zu tun, das aber einen ganz anderen Schwerpunkt als der Yamaha A-S2200 setzt. Analoge Eingänge gibt es hier zwar auch, aber der formidable Digital-/Analog-Wandler steht nicht nur je zwei coaxialen und optischen Digitaleingängen zur Verfügung, sondern auch dem eingebauten Streaming Modul. Somit kann der Vincent SV-737 ins heimische Netzwerk integriert werden. Außerdem lässt sich der Vincent SV-737 über Bluetooth mit Signalen versorgen.

Auch hinten so vollständig wie vorne: die Anschlussseite des Vincent SV-737 mit WLAN- und Bluetooth-Antenne

Gegenüber seinem optisch ähnlichen, aber undigitalen kleinen Bruder, dem Vincent SV-237MK, wurde beide Verstärkerzüge, also Vorverstärker und Endstufe, neu entwickelt und zudem perfekt auf einander abgestimmt. Die Endstufe wurde mehr als nur moderat weiterentwickelt. Das bedeutet hier nicht nur schlicht und einfach noch mehr Kraft im Überfluss, sondern auch ein besseres Einschwingverhalten gerade bei komplexen Lasten. Bis etwa 10 Watt pro Kanal arbeitet die Endstufe im Class A-Modus, wodurch Übergangsverzerrungen im so genannten Null-Durchgang vermieden werden. Wo aber die größten klanglichen Fortschritte erzielt wurden, ist die Überarbeitung des Vorverstärkers. Dieser ähnelt nun mehr dem hauseigenen Flaggschiff, dem Vincent SA-T7, als dem bekannten SV-237MK. Offensichtlich werden bei allen drei Geräten der tubeLine Röhren im Vorverstärker verwendet. Den getrieben Aufwand hier zu erläutern, würde zu weit führen. Als Klangerlebnis verspricht Vincent sich und uns: „Im Zusammenspiel mit der Röhrenvorstufe ergibt sich nunmehr ein Wiedergabespektrum, das dem von sehr guten Single-Ended-Triodenverstärkern ähnelt – auf wesentlich höherem Leistungs- und Reinheitsniveau.“

Auch der Vincent SV-737 verfügt wie auch der Yamaha A-S2200 über die in dieser Klasse zumindest inzwischen unüblichen Klangregler. Aber keine Angst: Diese sind nur aktiv, wenn Sie sie benötigen und haben sonst keinen negativen Einfluss.

Wenigstens einen Test und nicht nur wiedergekäute Pressemitteilungen kann ich Ihnen [hier] zum Weiterlesen anbieten.

Neuzugang #3: Hegel H190

Nordisch kühl oder doch eher nordisch schlicht und elegant, weil so aufgeräumt? Aber wo ist der Netzschalter?

Ein gänzlich anderes Kaliber zu den beiden soeben genannten Modellen stellt der Hegel H190 dar. Der mittlere von insgesamt fünf Vollverstärkern** der norwegischen Firma ist zwar ähnlich quadratisch in der Grundfläche, aber vom Design her trotz der geschwungenen Frontplatte sehr puristisch angelegt. Lediglich zwei Knöpfe respektive Regler sind auf der Frontplatte links uns rechts vom deutlich abzulesenden Display auszumachen. Natürlich gibt es auch hier eine Fernbedienung für die Grundfunktionen. Gesteuert wird dieser Verstärker aber in erster Linie mit einem Tablet oder iPad. Die dazu nötigen Apps heißen Bubble-UPnP für Android beziehungsweise Linn Kinsky für Apple. Andere Player genannte Bedienoberflächen wie MConnect HD funktionieren aber auch problemlos.

Bei den möglichen Anschlüssen ist er dem Vincent SV-737 recht ähnlich. Es sind ausreichend analoge und digitale Eingänge vorhanden. Hinzukommt, und das ist nicht ganz unwichtig bei der Verwendung von Computer-basierenden Music Servern wie dem Roon Nucleus, die Möglichkeit, diesen direkt über den USB-B-Anschluss zu verbinden. Dafür verzichtet der Hegel auf Bluetooth und auf die Möglichkeit, WLAN zu nutzen. Aber wir wissen ja, dass eine (Kabel-gebundene) Ethernet-Verbindung in aller Regel die stabilere ist.

Neben den Anschlüssen samt aller analogen und digitalen Eingänge fällt eins auf, nämlich nur eins Fuß hinten!

Wenn zwar nicht bei den prinzipiellen Leistungsdaten, sehr wohl aber beim umgesetzten Schaltungskonzept unterscheidet sich der Hegel H190 deutlich von den bereits vorgestellten Kollegen. Hier wird eine besondere Kombination Class A und Class A-B im Verbund mit einer rigorosen Gegenkopplung angewandt. Diese patentierte Besonderheit nennt Hegel SoundEngine 2. Das Resultat ist zum einen ein extrem hoher Dämpfungsfaktor (größer als 4000!) sowie das nahezu vollständige Fehlen von Verzerrungen aller Art. Das führt in der Praxis zu einem sehr kontrolliertem Klangbild, weil der Lautsprecher das machen muss, was der Verstärker will und nicht umgekehrt. Das ist besonders auffällig im Bassbereich, der niemals überschwingt und so eher athletisch als zu muckilös daherkommt. So manches Problem, das aus der  Aufstellung der Lautsprecher im Raum resultiert, wird dadurch doch stark abgemildert. Aber Lautsprecher, die den Hochton-Bereich besonders betonen, sollte man mit dem Hegel H190 eher nicht verquicken.

Was diesen Verstärker aber wirklich von allen anderen Marktbegleitern abhebt, ist die Möglichkeit, ihn auch in einer weißen Ausführung zu erstehen. Raten sie mal, in welcher Farbe  er bei mir steht? Richtig!

Als einziger Verstärker in seiner Klasse ist der Hegel H190 auch in weiß lieferbar; und so steht er auch beim FLSV!

Auch hier gibt es weiterführende Lektüre in Form von [Test 1] und[Test 2].

Neuzugang #4: Copland CSA100

Das hat doch was von einem Tresor! Diese Design-Sprache durchzieht Verstärker von Copland seit Jahrzehnten.

Gespannt warte ich auf den in ganz aller Bälde eintreffenden Copland CSA100. Dieser ist einer der Nachfahren des Copland CSA14, den ich schon vor gefühlten hundert Jahren im Portfolio geführt habe. Ein Copland CSA war und ist auch jetzt der Einstieg in die Welt der Verstärker beim dänischen Hersteller Copland.

Hier handelt es sich wie beim Vincent SV-737 um einen Hybriden. Das bedeutet, dass der Vorverstärker mit Röhren aufgebaut ist, während die Endstufe mit Transistoren arbeitet. So soll angenehmer Klang mit ausreichend Leistung kombiniert werden, um auch Kennschalldruck-schwächere Lautsprecher, und das sind die allermeisten Typen am Markt, adäquat antreiben zu können.

Hier sieht man die Eingangsstufe mit der Doppeltriode 6922, diese Röhre ist somit für beide Kanäle zuständig.

Ausstattungsmäßig ist der Copland CSA 100 eine Mischung aus dem Yamaha A-S2200, weil beide über einen recht hochwertigen Phono-Zweig*** verfügen, und dem Hegel H190 als auch wiederum dem Vincent SV-737, die ihrerseits ebenfalls hochwertige Digital-/Analog-Wandler (DAC) zur Verfügung stellen. Der für mich persönlich besonders relevante Eingang USB-B als externe Soundkarte ist wie beim Hegel H190 ebenfalls vorhanden. Während man im Herbst eine Nachrüst-Platine für Bluetooth sogar mit Unterstützung des aptX HD-Standards ordern kann, muss man hier auf die direkte Nutzung von Streaming verzichten. Aber es gibt ja inzwischen richtig hochwertige Streaming Bridges für relativ kleines Geld wie die Pro-Ject Stream Box S2 Ultra, um auch diese vermeintliche Lücke ausstattungsmäßig abzudecken, so man denn das Bedürfnis dazu hat.

Alles dran, was man zum Musikhören benötigt. Der Copland ist hier der einzige Verstärker mit echter Tape-Schleife!

Wer wirklich kritische Lautsprecher sein eigen nennt und tatsächlich mit der gebotenen Leistung des Copland CSA 100 nicht ausreichend bedient wird, greift einfach zum nächstgrößeren Modell, dem Copland CSA 150. Jetzt reicht’s aber!

Wie bei allen Probanden sieht man hier die hohe Bauteildichte und die aufwändige Signalführung auf der Platine.

Frei nach Winston Churchills Devise: Glauben Sie nur den Tests, die Sie selbst gefälscht haben.“, können Sie dies [hier] und [hier] und erst recht auch noch [hier] überprüfen.

Schlussbemerkung:

Was alle vier Verstärker neben der klassischen und somit vollformatigen Hifi-Breite eint, ist ein veritabler Kopfhörer-Anschluss, der bei keinem Modell nur eine Alibi-Lösung darstellt. Auch wenn ein spezialisierter Kopfhörer-Verstärker an dieser Stelle noch ein oder zwei Quäntchen besser klingen wird, kann man diese Anschaffung zumindest zeitlich ein wenig nach hinten verschieben.

Ich denke, Sie haben sich nach der Lektüre nun die Wahl der Qual ein wenig vereinfachen können, zumindest unter dem Aspekt, welches Modell Ihren theoretischen Anforderungen denn am nächsten kommt. Aber ob vielleicht doch ein anderer Verstärker genau an Ihren Lautsprechern in Ihrem Wohnraum nicht doch noch besser klingen wird, auch wenn Sie dann entsprechende Zusatzgeräte erwerben müssen, das müssen Sie sich schon selbst erarbeiten. Schließlich wird das Ihr vielleicht letzter Vollverstärker überhaupt sein. Das Zeug dazu hat jedenfalls jeder der hier vorgestellten Typen!

Anders als beim Hobelschreiner, beim derzeitigen Gesundheitsminister und auch bei anderen Jungschweinen bleibt es spannend, zumindest beim FLSV!

*App wie Application = englisch für Anwendung und hat nicht zwingend mit dem Äbbel aus Cupertino zu tun.

**Sonst entscheide ich mich stets anhand der kleineren Modelle, wenn ich ein neues Fabrikat ins Produktprogramm aufnehmen möchte. Bei Hegel war es aber andersherum, denn der Hegel H590 war der allererste Vollverstärker, der auch meine KEF Blade 2 anzutreiben wusste, ohne dabei auch nur ansatzweise einzubrechen. Demnach also eine gute Entscheidung!

***Der Copland CSA 100 kann nur die Signale von Moving Magnet-Tonabnehmern wandeln, das aber richtig gut. Deswegen bekommt er in der Vorführung beim FLSV auch die gerade neu vorgestellte MM-Delikatesse Ortofon 2M Black LvB 250 serviert.

Zuckerl als Zusatz-Bonbon

Dieses Angebot lasse ich mir nicht entgehen, das mir Frank Schick vom High Fidelity-Studio in Augsburg unterbreitet hat, nämlich ein zweites MoFi UltraDeck mitzubringen, um unseren Gästen einen besonderen Vergleich während der Bamberger Analog-Tage 2019 oben im High End-Heimkino zu ermöglichen. Auf diesem Dreher wird dann ein besonderer Tonabnehmer montiert sein, nämlich der DS E1 als kleinster photooptischer Abtaster von DS Audio, die ja ebenfalls vom High Fidelity-Studio vertrieben werden.

Der kleinste der Photo-optischen Tonabnehmer von DS Audio, der DS E1

Sie mögen an dieser Stelle einwenden, dass der Vergleich doch hinke, denn der DS E1 kostet ja 2750.- €, während für den MasterTracker lediglich 800.- €* zu bezahlen seien. Das stimmt dann, wenn man nicht – wie wir mit dem Copland CTA 408 – einen Verstärker sein Eigen nennt, der über einen exzellenten eingebauten Phono-Vorverstärker verfügt, einen solchen also in adäquater Qualität hinzukaufen müsste. Denn das ist ja eine weitere der vielen Besonderheiten der photooptischen Tonabnehmer von DS Audio, dass sie nicht mit der Entzerrungskurve nach RIAA arbeiten. Desweiteren ist die externe Einheit des photooptischen Tonabnehmers nicht nur ein Phonovorverstärker, sondern gleichzeitig der wichtige Spannungslieferant, um Lichtquelle und Photozellen des Abtasters betrieben zu können. Die faszinierenden DS Audio Tonabnehmer erfordern somit aus mehreren Gründen immer einen angepassten Phono-Entzerrer, sodass man je nach Betrachtungsweise entweder gleich mehr Geld ausgeben wird oder aber zu seinem Glück gezwungen wird. Jedenfalls relativiert sich so der Paketpreis von immerhin 2750.- € aus diesem Blickwinkel doch erheblich, kosten doch gute und erst recht sehr gute Phono-Vorverstärker richtig Geld, wie man die Treppe runter im Große Vorführstudio leibhaftig erfahren kann.

Zwei mal klein, aber doch richtig hochwertig: Der kleine AMG Giro führt den kleinen DS Audio DS E1 souverän.

Wir sind jedenfalls gespannt, wie Sie, liebe Gäste, die klanglichen Eigenheiten der ansonsten absolut identischen Laufwerke samt Tonarm diskriminieren und (hoffentlich erst anschließend) qualifizieren, auf Un-Latein und sogar auf Deutsch: unterscheiden und bewerten.

So kann man schließlich an dieser Stelle rechnerisch folgerichtig schließend zum Schluss kommen, dass Frank Schick zu immerhin 60 Prozent aller vom High Fidelity-Studio angebotenen Tonabnehmer-Marken Praxis-bezogen Auskunft zum spielenden Objekt geben wird.

*Im Set als UltraDeck +M sogar nur 350.- € Aufpreis zum nackerten Laufwerk, um noch einmal das besondere Preis-/Leistungsverhältnis des EISA-Gewinners des Jahres 2019/2020 zu unterstreicheln.

EISA-Gewinner 2019/2020: MoFi UltraDeck +M

Ein kurzer Vorgeschmack auf die Bamberger Analog-Tage 2019

Ein erstes kleines Geheimnis sei bereits jetzt schon geliftet, denn was im High End-Heimkino am Freitag, dem 13. (huch, das fällt mir ja jetzt erst auf!) Dezember 2019 und am hoffentlich darauffolgenden Samstag installiert sein wird, nimmt ab heute sehr konkret Kontur an. Denn bereits heute sind das eine Gerät und auch das andere beim FLSV nahezu zeitgleich eingetroffen. Also beschreiben wir mal ein wenig, was uns nur dort oben an musikalischem Hochgenuss mit der wahrscheinlich längsten Nachwirkung erwarten wird:

Im High End-Heimkino wird an den Bamberger Analog-Tagen 2019 eine rein analoge Anlage aufspielen, die klanglich ganz oben mitspielen kann. Das ist, wie so oft beim FLSV, daraufhin abzielend, dass sie, obwohl sie doch etwa 15000.- € kostet, dennoch ein exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis aufweist. Und einen weiteren, ganz praktischen Vorteil verbucht diese Konstellation, da die Lautsprecher relativ einfach, weil wandnah aufzustellen sind. Das ist ja nicht immer in diesem Segment der Fall. Und auch deswegen scheitert ja oft die Entscheidung für eine derart hochwertige Musikwiedergabeanlage an einem nicht ganz ungerechtfertigten und vornehmlich weiblichen Veto.

Die Quelle ist ein Plattenspieler, wie er unscheinbarer kaum sein könnte, nämlich das MoFi UltraDeck mit seinem für diese Klasse untypischen Arm mit 10“ = 25,4cm Länge. Dieser Plattenspieler spielt ja in der normalen Ausführung schon eine Weile beim FLSV. Aber nun hat das UltraDeck+M eine, nein die Auszeichnung schlechthin als bester Plattenspieler 2019/2020 erhalten. Gemeint ist der EISA Award, den eine inzwischen nicht mehr nur europäische, sondern sogar internationale Jury ermittelt. Das bedeutet dann im Gegensatz zu den monatlich gekürten Testsiegern schon was. Und das wird gefeiert!

Der Unterschied zur normalen Ausführung ist hier der MasterTracker genannte Tonabnehmer, der als Moving Magnet-System wohl zu den besten seiner Art zu zählen ist. Er kostet einzeln gekauft immerhin 800.- €. Im Paket als UltraDeck+M für 2450.- € ist er allerdings deutlich günstiger.

Die Zentrale unserer Anlage ist mit 26 Kilogramm ein echtes Schwergewicht. Es könnte sich dabei um einen Röhrenvollverstärker handeln. „Könnte“ deshalb, denn von außen betrachtet erkennt die Röhren erst mal nicht. Im Gegensatz zu nahezu allen anderen Röhrenverstärker sind die Glühkolben erst dann sichtbar, wenn man von oben in das Gerät hineinschaut.

Der neueste Entwurf von Ole Møller hört auf den Namen Copland CTA 408 und ist designmäßig zwar auch so ein Hingucker, aber eher einer, der auf Understatement als auf traditionelle Technik-Show setzt. Das Gerät verwendet die relativ neue und damit auch in 20 Jahren noch lieferbare Röhrensorte KT150, bietet zusätzlich zu den Hochpegel-Eingängen und dem Phono-Vorverstärker eine echte, inzwischen sehr selten gewordene Tape Monitor-Schleife. Und wenn die erzielbaren 2x 75 Watt nicht jeden aktuell verfügbaren Lautsprecher in die sprichwörtliche Zange nehmen, dann hat der Lautsprecherentwickler seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Der aufgerufene Preis von 6250.- € ist zwar kein Pappenstil, aber relativiert sich ganz schnell zunächst über seine überragende Klangqualität, wie leicht zu beweisen sein wird. Aber auch dadurch, dass der CTA408 eine richtig leckere, sprich vollwertige Phono-Vorstufe für MM und MC sowie einen separat in Class A aufgebauten Kopfhörer-Verstärker eingebaut hat, erspart sich der geneigte Hörer gleich zwei separate Kisten samt Kabel samt Netzteilen. Das nennt man dann „Geld-werten Vorteil“.

Vielleicht sei noch der Hinweis erlaubt, dass in der Ausgabe 10/2019 der Zeitschrift AUDIO ein ganz besonderer Test dieses Ausnahmeverstärkers zu lesen ist. Und haben Sie Mitleid mit dem direkt dahinter getesteten Transistor-Verstärker amerikanischer Provenienz! Oder lesen Sie diesen hier…

Als Spielpartner am hinteren Ende der analogen Kette spielt, auch als Beweis der Leistungsfähigkeit des Copland CTA408, ein geschlossener Lautsprecher, wie er auch immer seltener anzutreffen ist. Hier gilt markttypisch das Gesetz der Effizienz, und ein geschlossener Lautsprecher verbrät nun mal die ins Gehäuseinnere abgestrahlte Energie. Dass eine sealed box aber in der Lage ist, tiefere Töne als sein bauähnlicher Bassreflex-Kollege wiederzugeben und dass sie, wie die von uns verwendete ATC SCM40 in der Regel auch konturierter im Bass-Bereich aufspielen, beweisen wir gerne im High End-Heimkino. Die SCM40 ist die erste Box im Portfolio von ATC, die die große Mittelton-Kalotte, die man auch zärtelnd Bärennase nennen darf, verbaut hat. Uns ist wichtiger, dass eine solch große Kalotte den für uns Menschen („Sind Sie kein Roboter?“) wichtigsten Frequenzbereich ohne Unterbrechungen durch eine Frequenzweiche und unterschiedliche Treiber überträgt.

Dass wie immer und überall bei uns der Strom gesäubert ankommt und dass alle Verbindungskabel von erlesener, aber bezahlbarer Qualität sind, muss ja eigentlich kaum noch erwähnt werden, oder? Und dass unser High End-Heimkino beste akustische Voraussetzungen bietet, wurde auch schon oft kolportiert, stimmt aber immer noch. Mal schauen und mal hören, ob sich das ganz große Besteck im Großen Vorführstudio, über das noch zu berichten sein wird, klanglich wirklich absetzen kann?

Ich wünsche uns viel Vergnügen!